Mentoring-Kongress 2010
Erster bundesweiter Mentoring-Kongress in Berlin
Unter dem Motto “Mentoring – der Schlüssel zum Erfolg” veranstaltete das Forum Mentoring, vom 20. bis zum 21. September 2010 den ersten bundesweiten und transdisziplinären Mentoring Kongress für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin.
Mentoring ist ein erfolgsorientiertes Instrument der individuellen Förderung und der modernen Personalentwicklung und wird in vielen gesellschaftlichen Zusammenhängen eingesetzt: in der Wirtschaft, Wissenschaft und im Non-Profit-Bereich, bei der beruflichen Orientierung, im Studium und in der Promotion, beim Übergang oder Wiedereinstieg ins Berufsleben, in der Führungskräfteentwicklung und beim gezielten Recruiting von qualifizierten Nachwuchskräften. Die Mentoring-Landschaft in Deutschland ist so vielfältig, wie die Zielgruppen der einzelnen Projekte. Um einen fachlichen Austausch zum Thema zu initiieren und die Qualität des Mentorings zu sichern, wurde der bundesweite Kongress veranstaltet.
“Ohne Frauen verliert die Welt die Hälfte ihrer Talente. Und das können wir uns nicht leisten.” sagte Dr. Lily Segerman-Peck zur Eröffnung der Veranstaltung. Die Mentorin, Autorin und UK-Expertin des Netzwerks der europäischen Kommission “Frauen auf Entscheidungsebene” war die Schirmherrin des Kongresses.
Die im Forum Mentoring vereinten 90 Mentoring-Programme wenden sich an Frauen mit Berufsperspektiven in Wissenschaft und Wirtschaft, um das Instrument Mentoring an Hochschulen als festen Bestandteil der akademischen Ausbildung und Personalentwicklung zu implementieren. Die Ziele des Kongresses bestanden in einer effizienten Vernetzung der Programme, der Erarbeitung nachhaltiger Maßstäbe und Standards zur Qualitätssicherung und der gezielten Einschätzung und Förderung der gesellschaftspolitischen Verankerung von Mentoring.
Gute Voraussetzungen, wenig Umsetzung
Zum Hintergrund: Das Bildungsniveau junger Frauen ist hoch: Von den Studienberechtigten 2008 waren 49,4% Frauen. Bei den Studienanfängerinnen in den Ingenieurwissenschaften war 2008 ein Plus von 16,3% zu verzeichnen, der Absolventinnenanteil hatte den Spitzenwert von 22,6% erreicht. Dennoch können diese positiven Trends nicht über den immer noch sehr geringen Frauenanteil in den im MINT-Bereich angesiedelten Studiengängen Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurswesen und Informatik hinwegtäuschen. Die Absolventinnenanzahl ist hier nach wie vor sehr niedrig und im Bauingenieurswesen sogar um 7,8 % zurückgegangen.
Die “klassische Werbung”, so Wolfgang Gollub, Leiter der Nachwuchssicherung / THINK ING hat es also nicht geschafft, genügend Mädchen und junge Frauen zu einer Laufbahn in den MINT-Berufsfeldern zu motivieren. Dabei erreiche Mensch die besten Ergebnisse in Wirtschaft, Wissenschaft und Technik erfahrungsgemäß mit Teams, die sich aus möglichst heterogenen Konstellationen zusammensetzen, so Gollub während des Eröffnungsgesprächs der Veranstaltung in Berlin.
Immer mehr Unternehmen und Branchenverbände klagen über fehlende Fachkräfte in den MINT-Berufsfeldern. Die sogenannte “Ingenieurslücke” lag im Juni 2010 bei 65.000 Personen, betonte Susanne Witteriede, Leiterin der Geschäftsstelle Nationaler Pakt für Frauen in MINT-Berufen. Um dem zukünftigen Fach- und Führungskräftemangel entgegenzuwirken, hat sich Mentoring als besonders effektive Fördermaßnahme erwiesen.
Gezielte Weitergabe des Wissens
Mentoring als Programm zur Nachwuchsförderung wird mittlerweile in den drei großen gesellschaftlichen Bereichen eingesetzt: in der Wirtschaft, der Wissenschaft und in Non-Profit-Organisationen. Es hilft bei der beruflichen Orientierung, im Studium, als auch beim Wiedereinstieg ins Berufsleben, in der Führungskräfteentwicklung oder beim gezielten Recruiting von qualifizierten Nachwuchskräften. Der Grundgedanke des Mentoring ist es, mittels gezielter Förderung junger Frauen durch etablierte Expertinnen informelle Wissensbestände zu transportieren. Dieses informelle Wissen, das Know-How, das nicht an Universitäten gelehrt wird, sondern das mit der Berufserfahrung wächst, kann durch Mentoring am besten weitergegeben werden.
Christine Kurmeyer, erste Vorsitzende und Gründungsmitglied des Forum Mentoring, merkte an, dass das Konzept im Non-Profit-Bereich noch weitestgehend unterentwickelt geblieben ist und dass außerdem evaluiert werden müsse, ob es als wirksames Instrument in der interkulturellen Zusammenarbeit nutzbar sein könnte. Anzustreben sei auch, dass die Wirtschaft, Wissenschaft und der Non-Profit-Sektor bereichsübergreifend zusammenarbeiten, um das Instrument Mentoring weiterhin auszubauen und verlässliche Standards in der Qualität zu etablieren, an denen sowohl Unternehmen, als auch angehende Mentees sich orientieren können. Der Kriterienkatalog zu Qualitätsmanagement im Mentoring könne diesbezüglich als “Rezept” und anleitende Hilfe zur Erstellung eigener Programme genutzt werden.
THINK ING. – die Initiative zur Nachwuchsförderung des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall und das Bundesfamilienministerium hat den Mentoring-Kongress maßgeblich unterstützt.
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Audio-Beitrag als MP3-Stream: “Mentoringprogramme”, eine Sendung vom Deutschlandfunk am 21.09.2010, Autorin Claudia van Laak (Dauer: 4:00 min)





